01 Jun

Hier liegt ein Hund begraben

Geschrieben von Mir­jam Teitler

Foto Simba„Lex and the City“ Juni 2013 Kolumne aus der Zeitschrift „Schweizer Monat“.

Simba, das ist meine zehn­jährige «Zürcher Sen­nen­hündin». Ebenso alt ist ihre Beziehung zu ihrem Tier­arzt. Doch die ist nun zu Ende – das Zürcher Vet­er­inäramt will es so.

Ab einem Alter von 70 Jahren sind Tierärzte verpflichtet, alle zwei Jahre ihre Fähigkeit zur Führung einer Praxis mit einem ärztlichen Zeug­nis zu attestieren. Sim­bas Tier­arzt ist über 75 Jahre alt. Er reichte frist­gerecht ein Gesuch um Ver­längerung der Prax­is­be­wil­li­gung ein. Statt einer Bewil­li­gungsver­längerung im Briefkas­ten, fand er bald darauf zwei Inspek­toren vom Vet­er­inäramt auf der eige­nen Fuss­matte. Sie schrit­ten durch seine Praxis, er kam sich der­weil vor wie ein Ver­brecher. Die Beamten stell­ten fest: die Voraus­set­zun­gen für die Ver­längerung der Bewil­li­gung sind nicht erfüllt. Vor allem seien die Pri­vat­apotheke und die Akten nicht ord­nungs­gemäss geführt. Nach mehr als 40 Jahren ord­nungs­gemässen, nie bean­stande­ten Betriebs entsch­ied sich Sim­bas Arzt also für einen Rück­zug aus dem Berufsleben.

Wo liegen die Grund­la­gen für dieses staatliche Ein­schre­iten? Bei der Recherche im Netz stosse ich auf eine eid­genös­sis­che und kan­tonale Geset­zes­flut, die die Doku­men­ta­tion der Akten, die Voraus­set­zun­gen für die Führung einer Pri­vat­apotheke und die Weit­er­bil­dungspflicht von Tierärzten bis ins Detail – und iden­tisch wie bei den Human­medi­zin­ern – regelt. Diese Gle­ich­stel­lung kann wohl kaum als sachgerecht betra­chtet wer­den. Mit gesun­dem Men­schen­ver­stand ist klar: Ein Men­schen­leben ist ein höher­w­er­tiges Rechtsgut als ein Tier­leben. Diese Tat­sache recht­fer­tigt erweit­erte Sorgfalt­spflichten und einen grösseren Bürokratieap­pa­rat in der Human­medi­zin. Überdies trägt der Staat die Kosten hier­für mit. Und bekan­ntlich bes­timmt, wer zahlt. Simba aber unter­liegt keinem Ver­sicherungszwang, und ihre Rech­nun­gen bezahle ich. Als mündige Bürg­erin sollte ich auch sel­ber bes­tim­men kön­nen, ob ich für sie eine elek­tro­n­is­che Krankengeschichte will – oder eben nicht. Als Hun­de­mama hätte ich mir einen ver­hält­nis­mäs­sigeren Entscheid und weniger Bürokratie erhofft. So erhält Simba im hohen Alter noch eine elek­tro­n­is­che Krankengeschichte. Welch virtuelles Hundeglück!

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