01 Feb

Von unfreien Freiern

Geschrieben von Mir­jam Teitler

Den Freiern in Europa weht vom Nor­den her ein garstiger Wind ent­ge­gen. Schwe­den büsst sie seit 1999, und Nor­we­gen, Finn­land und Island haben ähn­liche Gesetze erlassen. Nun wird in Deutsch­land und Frankre­ich über ein Pros­ti­tu­tionsver­bot debat­tiert, und auch hierzu­lande haben jüngst 43 Par­la­men­tarier das Pos­tu­lat der EVP-​Nationalrätin Mar­i­anne Streiff-​Feller unterze­ich­net, in dem sie sich für ein Ver­bot des Kaufs sex­ueller Dien­stleis­tun­gen stark macht.


Das Spek­trum der Befür­worter ist breit: Konservativ-​religiöse Kreise zählen genauso dazu wie fem­i­nis­tis­che Grup­pen. Neben Moralvorstel­lun­gen treibt die Ver­bots­be­für­worter vor allem der Wun­sch, den Men­schen­han­del und die Aus­beu­tung von Not­la­gen zu bekämpfen. Edle Motive, zweifel­los – aber das falsche Rezept. «Le Monde» kom­men­tierte tre­f­fend: «Es ist nicht Sache des Staates, sich in die Pri­vat­sphäre einzu­mis­chen. Das Gesetz muss aber dafür sor­gen, dass die Zuhäl­terei ver­folgt und den Opfern des Men­schen­han­dels dabei geholfen wird, die Pros­ti­tu­tion ver­lassen zu kön­nen.» Die Stadt Zürich ver­sucht es unbürokratisch und hat nun einen Strich­platz mit «Ver­rich­tungs­boxen» ein­gerichtet. Im ersten Augen­blick erin­nerte er mich an die «Ver­säu­berungsplätze» für meine Hündin. Dort darf diese legal ihre Not­durft ver­richten. Anfangs mis­chten sich also Ekel und Amüse­ment, aber je länger ich über die Ein­rich­tung nach­denke, desto besser finde ich sie: Die Anwohner am Sih­lquai sind vom Strassen­strich befreit, und auf dem Strich­platz kön­nen Sozialar­bei­t­erin­nen und Sicher­heits­be­hör­den das Sexgewerbe vielle­icht in den legalen Schranken hal­ten.
Es ist noch zu früh, um Bilanz zu ziehen, aber: Wer­den solche Voraus­set­zun­gen geschaf­fen, um den Miss­brauch der Sexar­bei­t­erin­nen zu unter­drücken, sehe ich keinen Grund, Pros­ti­tu­ierte wie Freier in die Krim­i­nal­ität zu drän­gen. Denn eins ist sicher: Einen (schwarzen) Markt für sex­uelle Dien­stleis­tun­gen wird es auch nach moralin­sauren Ver­boten noch geben. Und auf diesem ist der Schutz von Pros­ti­tu­ierten wie von Freiern dann um einiges schwieriger.





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